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Vom Trampelpfad zur Preußenstraße – Eine Zeitreise

In früherer Zeit floss die Saar am Halberg vorbei und zog ihre Bahn jahrhunder­telang durch das Gelände der heutigen „Bruch­wie­sen“. Sie lagerte hier einen Großteil ihres Schwemm­landbodens ab. Die „Bruch­wiesen“, dieses alte Saar­bett, hatte daher den frucht­barsten Boden des Stadt­be­reiches und eignete sich her­vorragend zur Anlegung von Gärtnereien. Dies taten auch drei Söhne des Ehepaares Storb, nämlich Walter, Karl und Otto Storb. Ihre Gärtnereien lagen links und rechts des ehemaligen, etwas breiteren Trampel­pfades, der die Martin-Luther-Straße und die Thüringer-/Hell­wigstraße miteinander verband. Außerhalb der Gärt­nereien war Brachland, mit Sträuchern, Büschen, Disteln und Gras bewachsen. Im Gelän­de zwischen der heutigen Bayernstraße und unteren Halbergstraße befand sich die Gärtnerei Huppert.

Der oben erwähnte, etwas breitere Trampelpfad, ist die heutige Preußenstraße. Damals, also vor 1950, war dieser Pfad mit allerhand Unebenheiten versehen. Es gab Bodenvertiefungen, Fahrspuren von Pferdewagen und Handwagen, Abdrücke von Pferdehufen und Ausschwemmungen durch ab­fließendes Regenwasser. Wenn es einmal ordent­lich geregnet hatte, stand der Bruchwiesenpfad voller Pfützen. Es war da manchmal schon ein Kunststück, einigermaßen trockenen Fußes z.B. von der Scheidterstraße in die Thüringerstraße zu gelangen. Wir Kinder hatten jedoch auch unsere Freude an diesem Zustand¸ denn das Pfützenüber­springen, vor allem der größeren und großen, ohne nasse Schuhe oder Füße zu kriegen, wollte gekonnt sein. So lernten wir ganz nebenher und zwanglos das Balancieren und Weitspringen. Was für uns auch reizvoll war, das war die Zeit, wenn die Disteln reif waren. Man konnte sie so nebenher abpflücken und anderen Leuten an deren Kleider werfen; dort blieben sie ja hängen.

Anfang der 1950er Jahre änderte sich hier in diesem Gebiet vieles grundlegend. In früheren Zeiten, bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, galt das Bruchwiesengelände als unbebaubar, weil der Boden zu nass und sumpfig war. Nach dem Krieg wurden die Bruchwiesen dann trotzdem als Bauland freigegeben. Monatelang hörte man das Stampfen der Rammbären, die viele ca. zehn Meter lange Betonpfeiler in den feuchten Boden rammten, um dadurch die Grundlage zu schaffen, dass über ihnen die Fundamente für die vor­ge­sehenen Häuser gelegt werden konnten.

Und so entstand denn auch die Ostschule an der Ecke Thüringer- und Hellwigstraße. 1954 konnten die Schülerinnen und Schüler aus dem Einzugsgebiet erstmals mit ihren Lehrerinnen und Lehrern das neue Schulhaus betreten und wurden ab September hier unterrichtet. Der alte Trampelpfad wurde eingeebnet und asphaltiert und erhielt den Namen: „Preußenstraße“.

(Elisabeth Münch, Lehrerin an der Ostschule bis 1997, entnommen aus der OstPost)